MK: Hallo Onur, lass uns ganz vorne anfangen: Wer bist du – und wie bist du überhaupt in der Personenbeförderung und speziell in der Mietwagenbranche gelandet?
OF: Mein Einstieg war tatsächlich kein klassischer Businessplan-Moment, sondern eher organisch. 2015 hatte ich zum ersten Mal wirklich Berührung mit dem Thema. In meiner Familie waren wir schon länger im Personenbeförderungswesen aktiv – meine Brüder arbeiteten damals im Taxigewerbe, zunächst als Fahrer.
MK: Wie ging es dann bei dir weiter?
OF: Irgendwann kam dann die Frage auf: Wollen wir da immer nur als angestellte Fahrer unterwegs sein – oder selbst gestalten? Also haben wir uns mit dem Thema Selbstständigkeit beschäftigt und sind ziemlich schnell beim Personenbeförderungsgesetz gelandet. Und damit auch bei der Fachkundeprüfung.
MK: Wann war für dich klar: Das wird jetzt mehr als nur Interesse – das wird mein eigenes Business?
OF: Der entscheidende Moment kam 2017. Wir hatten die fachliche Eignung, aber noch keinen laufenden Betrieb. Die operative Seite kannten wir, aber administrativ war das komplettes Neuland. Und dann haben wir gesagt: Okay, jetzt oder nie. Wir wühlen uns da jetzt durch. Durch Anträge, Auflagen, Bürokratie – durch alles. Das war der Moment, in dem aus einer Idee ein echtes Vorhaben wurde.
MK: Was war rückblickend die größte Hürde beim Aufbau des Unternehmens?
OF: Ganz klar: die Bürokratie. Du brauchst Unbedenklichkeitsbescheinigungen, Nachweise zur finanziellen Leistungsfähigkeit, Vermögensübersichten, Eigenkapitalnachweise etc..
Ohne Steuerberater wäre ich da ehrlich gesagt aufgeschmissen gewesen. Das sind Themen, mit denen man vorher einfach nie zu tun hatte. Diese Kombination aus finanziellen Anforderungen und bürokratischer Komplexität war die größte Einstiegshürde.
MK: Und im laufenden Betrieb – was sind da die größten Herausforderungen?
OF: Die Kluft zwischen Gesetz und Praxis. Im Mietwagenbereich reden wir im Gesetz über wenige Sätze – zwei Paragrafen, vielleicht fünf oder sechs relevante Formulierungen. Das Problem ist: Sie sind extrem offen formuliert. Und genau dadurch entsteht auf Behördenseite enormer Ermessensspielraum. Das führt dazu, dass du als Unternehmer oft nicht weißt: Wie wird das heute ausgelegt? Wie morgen? Planungssicherheit sieht anders aus.
MK: Zum Abschluss: Warum braucht Deutschland aus deiner Sicht den Mietwagenverkehr?
OF: Weil er echten Mehrwert für Kundinnen und Kunden schafft. Gerade jüngere Menschen sind es gewohnt, alles per App zu organisieren. Beim Mietwagen wissen sie vorher: Wer fährt, welches Fahrzeug kommt, was kostet die Fahrt. Sie treffen eine bewusste Entscheidung. Diese Transparenz macht das Ganze kundenfreundlich – und genau das macht die Stärke des Mietwagenverkehrs aus. Er ist eine sinnvolle Ergänzung im Mobilitätsmix. Und genau deshalb muss er dazugehören.
Das Interview führte Martin Kumstel.
