Es ist fast vier Jahre her, dass das 9-Euro-Ticket Deutschland einen Sommer lang in Bewegung versetzte. In Erinnerung blieb vor allem eine besondere Reisestimmung: Punker auf Sylt, neu entdeckte Wochenendausflüge und überfüllte, heiße Züge.
Von Juni bis August 2022 konnte der gesamte öffentliche Nah- und Regionalverkehr in Deutschland für lediglich neun Euro im Monat genutzt werden. 2,5 Milliarden kostete dies den Steuerzahler. Eine staatliche Subvention war selten so beliebt – 52 Millionen Tickets wurden verkauft. Doch wie steht es im Rückblick um die Wirkung des 9-Euro-Tickets?
Zwei politischen Zielen sollte das Ticket dienen: Erstens sollte es die gestiegenen Lebenshaltungskosten infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine abfedern. Zweitens sollte es Menschen dazu bewegen, vom Auto auf den Zug umzusteigen.
Eine aktuelle Studie von Ökonomen des Ifo-Instituts der Universitäten Erlangen-Nürnberg und Salzburg liefert im Hinblick auf das letztere Ziel jedoch ernüchternde Befunde. Die Forscherinnen und Forscher analysierten Millionen von anonymisierten Verkehrsdaten und kamen dabei zu einem klaren Schluss: die Zahl der Zugfahrten stieg zwar in den drei Monaten um 30-35 Prozent, doch die Autofahrten verringerten sich gleichzeitig um lediglich 4-5 Prozent.
Der Anstieg bei den Zugfahrten war laut der Studie vor allem auf Freizeit- und Wochenendnutzung zurückzuführen. Während Tagespendler ihre Mobilitätsgewohnheiten kaum änderten, nahmen insbesondere die Zugfahrten an Wochenenden und in ländliche Urlaubsregionen deutlich zu. Eine nachhaltige Verkehrswende blieb demnach aus.
Das 9-Euro-Ticket lief nach drei Monaten aus und wurde durch das für Verbraucher deutlich teurere Deutschlandticket ersetzt. Doch auch dieses Angebot wird mit drei Milliarden Euro pro Jahr noch immer kräftig subventioniert. Umso bemerkenswerter ist daher, dass die jüngste Preiserhöhung von 58 auf 63 Euro im Monat zum Teil scharf kritisiert wurde – obwohl auch ein 63-Euro-Ticket bei weitem nicht kostendeckend ist.
Die Debatte berührt damit eine grundsätzlichere Frage: Was passiert, wenn sich Bürgerinnen und Bürger an dauerhaft verbilligte Mobilität auf Staatskosten gewöhnen?
Politisch jedenfalls hält die Debatte um eine Neuauflage des 9-Euro-Tickets an. Die Grünen forderten zuletzt auf ihrem Bundesparteitag die Wiedereinführung. Schwarz-Rot folgte dem Ruf nicht und beschloss stattdessen einen Tankrabatt für Autofahrer.
Interessanterweise kommen diese Forderungen zeitgleich zu Debatten in vielen Städten über die Einführung von Mindestpreisen für Fahrdienste – also einem staatlichen Eingriff mit umgekehrtem Vorzeichen. wirfahren Co-Vorsitzender Thomas Mohnke bringt es auf den Punkt: „Mal soll Mobilität künstlich verteuert, mal soll sie künstlich verbilligt werden. Nachhaltig sinnvoll sind weder 9-Euro-Ticket noch Mindestpreise.“
Zusammenfassend bleibt vom 9-Euro-Ticket ein gemischtes Bild zurück: beliebt bei den Nutzerinnen und Nutzern, aber mit begrenzter Wirkung für Klimaschutz und Verkehrswende. Es lohnt sich, die Frage zu stellen, ob 2,5 Milliarden Euro an anderer Stelle nicht mehr für eine zukunftsfähige Mobilität hätten leisten können.
