„Ich wünsche mir vor allem Digitalisierung“

 

Ali Jan Hussein ist gemeinsam mit seinem Bruder Mietwagenunternehmer in Frankfurt am Main. Was 2019 mit einem einzigen Auto begann, ist heute ein Familienbetrieb mit rund 60 Fahrzeugen. Im Interview spricht Ali Jan über die Herausforderungen eines Mietwagenunternehmers, seinen größten Wunsch an die Politik und er verrät sein Geheimnis für einen erfolgreichen Familienbetrieb. 

 

WF: Wie bist du ursprünglich zur Personenbeförderung gekommen?

AJ: Wir kommen ursprünglich aus dem Speditions- und Logistikbereich. Dieser Geschäftszweig hat sich für uns ab 2018 nicht mehr getragen. Daraufhin sind wir Schritt für Schritt in die Personenbeförderung hineingewachsen. 2019 ging es dann richtig los: Damals war Uber gerade neu in Deutschland. Dort haben wir zunächst Erfahrungen gesammelt und uns nach und nach einen eigenen Kundenstamm aufgebaut. Mir war wichtig, das Geschäft von Grund auf zu verstehen – deshalb habe ich 2019 selbst die Fachkundeprüfung abgelegt. In der Anfangszeit bin ich gemeinsam mit meinem Bruder auch selbst gefahren; das war eine schöne Zeit.

WF: Wie groß ist dein Betrieb heute?

AJ: Unser eigenes Unternehmen umfasst heute rund 60 Fahrzeuge, und wir beschäftigen etwa 55 Fahrerinnen und Fahrer – die meisten von ihnen in Vollanstellung. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit vielen Partnerbetrieben zusammen – in Frankfurt selbst, in Wiesbaden und in weiteren größeren Städten. Es ist ein Familienbetrieb: Mein Bruder und ich führen das Unternehmen gemeinsam, und wir hatten von Anfang an ein eingespieltes Team an unserer Seite.

WF: Innerhalb weniger Jahre von einem Fahrzeug auf 60 – was war euer Erfolgsgeheimnis?

AJ: Aus dem Verkauf unserer Logistikfirma hatten wir Kapital, das wir zügig investieren wollten. Wir haben mit den ersten Fahrzeugen angefangen und schnell gemerkt: Der Markt ist da. Von da an hieß es skalieren, skalieren, skalieren – das haben wir konsequent getan. Wichtig war außerdem die klare Rollenverteilung im Familienbetrieb. Natürlich gab es Höhen und Tiefen, aber wir haben früh erkannt, wo die jeweiligen Stärken liegen: Ich kümmere mich vor allem um das Büro und die bürokratischen Themen, mein Bruder um die Flottenverwaltung. Diese Aufteilung hat uns sehr geholfen.

WF: Was waren und sind eure größten Herausforderungen?

AJ: Die größte Hürde war von Anfang an, die erste Konzession überhaupt zu bekommen. Schon damals hat das rund fünf Monate gedauert – und im Logistikbereich braucht man längst nicht so viele Genehmigungen. Für uns als Neueinsteiger war das eine echte Umstellung. Heute ist es eher schwieriger geworden: Anträge auf Erteilung oder Wiedererteilung einer Konzession ziehen sich oft über sechs bis sieben Monate, teilweise länger. Vieles läuft nach wie vor über Papier. Aus anderen Ländern kenne ich es, dass solche Abläufe digital und deutlich schneller funktionieren.

WF: Was wünschst du dir von der Politik?

AJ: Ich wünsche mir, dass wir als Unternehmer unsere Arbeit machen können. Dafür braucht es aus meiner Sicht zwei Dinge: weniger Bürokratie und vor allem mehr Digitalisierung. Die Verfahren, die ich vorhin angesprochen habe, müssen digitaler und schlanker werden – dann kommen gerade kleinere Betriebe schneller voran. Hier wünsche ich mir insgesamt mehr Unterstützung für die kleineren Unternehmen.

WF: Ein Thema beschäftigt die Branche derzeit besonders – die Mindestpreise. Wie siehst du das?

AJ: Ja, dieses Thema beschäftigt mich tatsächlich sehr. Für einen Betrieb wie unseren geht es dabei um die Grundlage, auf der wir wirtschaften. Mindestpreise würden dafür sorgen, dass die Umsätze einbrechen – letztendlich würde das unsere Jobs und die Jobs unserer Fahrerinnen und Fahrer massiv gefährden. Das darf nicht passieren.

WF: Vielen Dank für das Gespräch!

 

Das Interview führte Joris Schultz-Heienbrok für den Bundesverband wirfahren.