Die kürzlich veröffentlichte Kriminalitätsstatistik zeichnet ein eindeutiges Bild: Das subjektive Sicherheitsgefühl ist niedrig. Insbesondere vulnerable Gruppen sind davon betroffen, dass sie sich an öffentlichen Orten wie Bahnhöfen oder im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) unsicher fühlen.  Erschwingliche Mobilitätsangebote können ein Element sein, wie soziale Teilhabe angesichts dieser Entwicklungen gestärkt werden kann. Wie genau zeigt ein Blick auf die Daten.

Die Zahlen der Statistik verdeutlichen zunächst die Dimension des Problems. So fühlen sich nachts nur noch 44,8 % der Menschen ohne Begleitung im ÖPNV sicher – ein Rückgang gegenüber 46,3 % im Jahr 2020. Besonders drastisch ist die Situation an Bahnhöfen –  lediglich 27 % der Bevölkerung geben an, sich hier nachts sicher zu fühlen. Diese Entwicklung korreliert mit einer gestiegenen Kriminalitätsfurcht: Der Anteil der Menschen, die Angst vor einer Körperverletzung haben, ist von 18,5 % im Jahr 2020 auf 26,8 % im Jahr 2024 gestiegen.

Diese subjektive Unsicherheit bleibt nicht folgenlos, sondern schlägt sich unmittelbar im Verhalten nieder. So gaben 2024 35,1 % der Menschen an, nachts den ÖPNV bewusst zu meiden. Besonders betroffen sind Frauen und ältere Menschen – zwei Gruppen, deren Mobilität ohnehin häufig eingeschränkt ist.

Geschlechtsspezifische Unterschiede treten dabei besonders deutlich hervor: Während sich die Gesamtbevölkerung bereits unsicher fühlt, sinkt das Sicherheitsgefühl bei Frauen nochmals drastisch. Nur 33,2 % der Frauen fühlen sich nachts im ÖPNV sicher, an Bahnhöfen sind es sogar lediglich 16 %. 

Genauso gravierend sind die Auswirkungen bei hochaltrigen Menschen. In der Gruppe der über 84-Jährigen vermeiden 47 % nachts den ÖPNV, während gar 50 % angeben, nachts das Haus nicht mehr zu verlassen. Diese Form der Selbstbeschränkung erhöht nachweislich das Risiko sozialer Isolation und Vereinsamung 

Vor diesem Hintergrund gewinnt die sogenannte „letzte Meile“ – also der Weg zwischen Verkehrsstationen und dem eigentlichen Zielort – eine zentrale Bedeutung. Gerade diese Wegstrecken werden häufig als besonders unsicher wahrgenommen, da sie schlecht beleuchtet, wenig frequentiert oder schwer einsehbar sind. Klassische öffentliche Verkehrsmittel stoßen hier an ihre Grenzen, da sie diese individuellen Sicherheitsbedürfnisse kaum adressieren können.

Hier setzen flexible, individualisierte Mobilitätsangebote wie Ride-Hailing-Dienste an. Sie ermöglichen eine direkte, oft von Tür-zu-Tür organisierte Beförderung und reduzieren damit genau jene Wegabschnitte, die als besonders unsicher empfunden werden. Aus verkehrssoziologischer Perspektive handelt es sich dabei nicht nur um eine Ergänzung des bestehenden Systems, sondern um eine funktionale Erweiterung im Sinne sozialer Inklusion.

Insbesondere für Frauen und ältere Menschen können solche Angebote eine entscheidende Rolle spielen: Sie senken die wahrgenommene Unsicherheit, erhöhen die tatsächliche Erreichbarkeit von Zielen und ermöglichen damit die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, sei es der Besuch kultureller Veranstaltungen, sozialer Kontakte oder medizinischer Einrichtungen.

Quelle: https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Forschung/ForschungsprojekteUndErgebnisse/Dunkelfeldforschung/SKiD/Ergebnisse/Ergebnisbericht.html