Mehr Fahrten, höhere Umsätze und gleichzeitig günstigere Preise für Fahrgäste: Die Auswertung des Hamburger Modellversuchs zeigt, welches Potenzial flexible Taxitarife für das Taxigewerbe haben.

Zwischen Oktober 2025 und Juni 2026 erprobte Hamburg zwei Modelle Tarifkorridor-Modelle nachdem zunächst ausschließlich die Festpreiseinführung getestet wurde. Zunächst konnten vermittelte Taxifahrten bis zu 20 Prozent oberhalb des Festpreises angeboten werden. Ab Februar 2026 wurde der Korridor in beide Richtungen geöffnet: Preise konnten nun bis zu 20 Prozent über oder unter dem Festpreis liegen.

Die Untersuchung von The Mobilution und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) basiert auf rund 5,5 Millionen Fahrten und mehr als 412.000 Fahrzeugtagen aus dem amtlichen Meldeverfahren. Es handelt sich nicht um eine Stichprobe, sondern um alle Fahrten der jeweils meldenden Fahrzeuge.

Mehr Umsatz durch mehr Nachfrage

Besonders deutlich sind die Ergebnisse des beidseitigen Korridors. Gegenüber den Festpreisen steigt der Nettoumsatz je Fahrzeug und Tag um 14,2 Prozent. Gegenüber den Taxameterpreisen liegt das Plus sogar bei 22,3 Prozent.

Entscheidend ist, wie dieses Wachstum entsteht: nicht durch höhere Preise, sondern durch mehr Fahrten. Die Zahl der Fahrten je Fahrzeug und Tag steigt im Modell um 24 Prozent gegenüber dem Ausgangsniveau. Rund zwei Drittel des zusätzlichen Fahrtaufkommens sind tatsächlich neue Nachfrage und nicht lediglich eine Verlagerung von Taxameterfahrten zu vermittelten Fahrten.

Gleichzeitig profitieren die Fahrgäste: Verbraucher zahlen unter dem beidseitigen Korridor 10,9 Prozent weniger als bei Taxameterfahrten. Die Fahrgäste zahlen also weniger, während die Unternehmen insgesamt mehr Umsatz erzielen.

Mehr Spielraum statt mehr Regulierung

Festpreise sind der richtige Weg. Ihre volle Wirkung können sie aber insbesondere dann entfalten, wenn Taxiunternehmen ausreichend Spielraum erhalten, ihre Preise auch nach unten anzupassen. Bemerkenswert ist deshalb, dass gerade der beidseitige Korridor mit der Möglichkeit zu Preisnachlässen das wirksamere der beiden getesteten Modelle ist.

Für den Bundesverband wirfahren ist deshalb klar: Hamburg sollte den beidseitigen Tarifkorridor dauerhaft ermöglichen. Auch andere Städte sollten die Möglichkeiten des Personenbeförderungsgesetzes nutzen und Taxitarife flexibler gestalten.

Die Debatte über die Zukunft des Taxis kreist noch zu häufig um den Schutz vor Wettbewerb. Die Hamburger Ergebnisse zeigen einen anderen Weg: Mehr unternehmerischer Spielraum kann die Taxiunternehmen wirtschaftlich stärken und gleichzeitig Taxifahrten für mehr Menschen attraktiv und erschwinglich machen.

Die Studie ist unter https://www.wzb.eu/de/publikationen/discussion-papers einsehbar.