„Das eigene Auto gehört bald der Vergangenheit an.“ So prognostizierte es der Journalist John Harris vor knapp zehn Jahren. Die Vorhersage ist mitnichten eingetreten. Bis heute fehlt vielen Europäern eine funktionale Alternative zum eigenen Auto.

Das zeigt eine Studie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace, „Access Denied“ („Zugang verweigert“). Die Autoren sprechen von „erzwungenem Autobesitz“: Menschen, die materiell und sozial benachteiligt sind und sich dennoch ein Auto halten, weil ihnen jede andere Möglichkeit fehlt, den Alltag zu organisieren. Für das Auto sparen sie an anderen Lebensnotwendigkeiten. In einzelnen Ländern trifft das auf bis zu 19 Prozent der Bevölkerung zu.

Dahinter steht ein Mangel an Alternativen. Mancherorts sind bis zu 56 Prozent der Menschen vom ÖPNV abgeschnitten, am stärksten trifft das ländliche Regionen. Für die Untersuchung wurden Daten aus 33 Ländern ausgewertet und nach Einkommen, Alter, Geschlecht und Wohnort aufgeschlüsselt. Dabei zeigt sich auch: Frauen und Ältere ab 65 Jahren meiden den öffentlichen Nahverkehr häufiger als andere, oft aus Sorge um ihre Sicherheit oder weil der Zugang für sie zu beschwerlich ist.

Greenpeace, die die Studie in Auftrag gaben, fordern darum einen gezielteren Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

 

Auch ein dichtes Nahverkehrsnetz erreicht nicht jeden

Dass der ÖPNV wachsen muss, steht außer Frage. Ein dichteres Netz aus Bussen und Bahnen ist eine Grundlage bezahlbarer Mobilität. Doch der Ausbau braucht Zeit und Geld, und selbst ein vergleichsweise dichtes Netz erreicht am Ende nicht jeden Ort zu jeder Zeit – und ist zudem auch nicht immer effizient.

Deshalb bieten Taxis und Mietwagen eine sinnvolle Ergänzung des öffentlichen Verkehrsangebots. Auf der letzten Meile bringen sie Menschen dorthin, wo das Liniennetz endet. Nachts springen sie ein, wenn Busse und Bahnen längst stehen. Und für alle, die den Nahverkehr aus Sorge um die eigene Sicherheit meiden, sind sie oft die einzige verlässliche Option – vor allem für Frauen und ältere Menschen.