Mit einer klaren Botschaft eröffnete Prof. Dr. Andreas Knie (WZB) den gemeinsamen Zukunftskongress des Bundesverbands für den Verkehrswandel, des Taxiverbandes Deutschland (TVD) und des Bundesverbands der Chauffeur- & Mietwagenunternehmen Deutschland (BCMD) : Wer eine Verkehrswende will, die im Alltag funktioniert, braucht mehr Taxis und Mietwagen – nicht weniger.

Den Ausgangspunkt bildet das eigentliche Problem: der private Pkw. Anfang 2026 waren in Deutschland 49,5 Millionen Autos zugelassen, bei 69,3 Millionen Einwohnern im Führerscheinalter. Genutzt wird ein Auto im Schnitt aber nur 19 Minuten am Tag – den Rest der Zeit steht es im öffentlichen Raum. Auch die Antriebswende kommt kaum voran: Statt der für 2030 angestrebten 15 Millionen reinen E-Pkw waren im Juli 2026 erst 2,4 Millionen im Bestand.

Dass Veränderung möglich ist, zeigt Berlin. Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs an allen Wegen sank dort von 30 Prozent (2013) auf 22 Prozent (2023). Knies Schlussfolgerung: Mit der Hälfte der Autos könnten Städte wieder gut funktionieren – möglich machen das digitalisierte Miet- und Taxi-Angebote.

Im Zentrum seines Vortrags stand das Hub-and-Spoke-Modell: Leistungsfähige Schienen- und Hauptachsen bilden die Knoten, flexible Angebote übernehmen die Zubringerfahrten in der Fläche. Genau hier sieht Knie Taxi und Mietwagen – bestellbar in wenigen Minuten, in Stadt und Land gleichermaßen. Langfristig werden autonome Fahrzeuge die letzte Meile übernehmen. Bis dahin sind Taxi und Mietwagen noch viele Jahre die unverzichtbare Brücke.

Dass die Nachfrage da ist, zeigte Knie anhand einer Umfrage aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet. Rund 45 Prozent der Befragten nutzen mindestens einmal im Jahr ein Taxi. Zwei Drittel würden günstigere Alternativen wie Uber oder Bolt nutzen. Beim Bestellen verläuft eine klare Altersgrenze: Unter 45-Jährige buchen überwiegend per App, Ältere greifen noch meist zum Telefon.

Deutliche Worte fand Knie zur Regulierung. Rückkehrpflicht und Mindestpreise bremsen aus seiner Sicht die Verkehrswende. Knie spricht sich gegen Mindestbeförderungsentgelte für Mietwagen aus und will unnötige Leerfahrten vermeiden, damit Mietwagen effizienter eingesetzt werden können. Sein Ordnungsprinzip: Private Unternehmen sind die Betreiber. Der Staat konzentriert sich aufs Kontrollieren, Überwachen und, wenn nötig, auch aufs Bestrafen.

Wer tiefer einsteigen will: Knies Buch „Wo kommen bloß die vielen Autos her und wie werden wir sie wieder los?“ ist im Alexander Verlag Berlin erschienen.