„Die Menschen wollen einfache, bezahlbare Mobilität“

 

Michael Betke ist Mietwagenunternehmer in Berlin. Ursprünglich war er als Autovermieter aktiv. 2018 ist er in die Personenbeförderung eingestiegen und betreibt heute beide Geschäftsbereiche parallel. Im Interview spricht er über seinen Weg in die Mietwagenbranche, die ergänzende Logik der beiden Geschäftsmodelle und seinen wichtigsten Wunsch an die Politik: weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung.

 

WF: Wie bist du zur Personenbeförderung gekommen?

MB: Ursprünglich komme ich aus der Autovermietung. 2018 ist Uber auf uns zugekommen mit der Frage, ob wir nicht zusammenarbeiten wollen. Anfangs war ich skeptisch, vor allem wegen der damaligen Ortskundeprüfung. Kurz danach wurde sie abgeschafft – das war für mich der Moment, an dem ich gesagt habe: Warum nicht? Wir haben die Konzession beantragt, das erste Fahrzeug angeschafft, und ich bin selbst gefahren, um ein Gefühl für den Betrieb zu bekommen. Es hat mir gefallen, also haben wir Schritt für Schritt weitere Fahrzeuge angeschafft und Fahrer eingestellt. Heute ist die Personenbeförderung unser Hauptgeschäft, die Autovermietung läuft als zweites Standbein nebenher.

WF: Was hat dich am Geschäftsmodell der Personenbeförderung überzeugt?

MB: Vor allem die Verlässlichkeit der Aufträge. Die Autovermietung ist sehr saisonal – an manchen Tagen stehen die Kunden Schlange, an anderen kriegt man die Autos kaum vermietet. Beim Mietwagen ist das Geschäft deutlich konstanter – gerade wenn man mit Plattformen zusammenarbeitet. Das Beste daran ist, dass sich die beiden Bereiche gut ergänzen: Die Mietwagen-Einnahmen tragen uns durch die schwächeren Phasen in der Autovermietung, und in der Autovermietung können wir die Spitzenpreise zu Sonderzeiten mitnehmen. Wir holen uns quasi das Beste aus beiden Welten.

WF: Wie groß ist dein Betrieb heute?

MB: Aktuell betreiben wir die Personenbeförderung mit zehn Fahrzeugen und beschäftigen dafür rund fünfzehn Fahrerinnen und Fahrer. Eigentlich hätten wir längst weiter wachsen wollen – in Richtung zwanzig, dreißig oder mehr Fahrzeuge. Bislang war das aber nicht möglich, weil sich die behördlichen Verfahren für eine Fahrzeugzulassung über viele Monate, in unserem Fall sogar über mehrere Jahre, hinziehen. Für ein wachsendes Unternehmen ist eine solche Verfahrensdauer kaum zu planen.

WF: Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen?

MB: Eindeutig die Bürokratie – beim Aufbau eines Unternehmens genauso wie im laufenden Betrieb. Wer eine Mietwagenkonzession beantragt oder erweitert, muss mehrere Boxen voller Unterlagen einreichen. Ein anderes Mietwagenunternehmen hat das einmal bei einem politischen Termin physisch mitgebracht – drei bis vier Umzugskartons voller Papier, für einen einzigen Erweiterungsantrag.

Dazu kommt der bürokratische Aufwand im laufenden Betrieb: Ich muss Monats- und Jahresstatistiken erstellen, behördliche Meldungen vorbereiten – dabei bin ich in der Verwaltung weitestgehend allein. Diese Dinge binden viele Arbeitsstunden, bringen aber dem Unternehmen keinen Mehrwert. Hier wäre eine Entlastung dringend nötig.

WF: Wie blickst du auf die Zukunft der Branche?

MB: Optimistisch. Die jüngere Generation ist gewohnt, ihre Mobilität per App zu organisieren – Adresse eingeben, vorher den Preis sehen, das Fahrzeug kommt. Genau diese Form der Beförderung wird weiter an Bedeutung gewinnen, da bin ich mir sicher. Was später kommt – Stichwort autonome Fahrzeuge – wird das Bild zusätzlich verändern; in einigen Ländern ist das ja längst Realität. Aus meiner Sicht ist klar: Das Angebot wird der Nachfrage folgen, und die Nachfrage geht eindeutig in Richtung App, Transparenz und Bezahlbarkeit.

WF: Was wünschst du dir von der Politik?

MB: An erster Stelle: dass die Politik den Bürgerinnen und Bürgern zuhört. Die Menschen wollen einfache, bezahlbare Mobilität – und ein modernes, transparentes Angebot wie das des Mietwagengewerbes liefert genau das. Ich wünsche mir, dass die Politik die Realität in den Städten und auf den Straßen stärker zur Grundlage ihrer Entscheidungen macht.

Zweitens, und das schließt direkt an: weniger Bürokratie und mehr Digitalisierung. Wenn Anträge digital eingereicht und schneller bearbeitet werden könnten, wäre vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen wie unserem geholfen. Und schließlich wünsche ich mir, dass Mietwagenbetriebe genauso fair behandelt werden wie andere Mobilitätsanbieter – wir alle tragen dazu bei, dass Menschen sicher und zuverlässig von A nach B kommen.

WF: Vielen Dank für das Gespräch!

 

Das Interview führte Joris Schultz-Heienbrok für den Bundesverband wirfahren.