Wie teuer ist Taxifahren in Deutschland tatsächlich? Und wie schneiden deutsche Städte im Vergleich mit internationalen Metropolen ab?
Diesen Fragen ist der Wettbewerbs- und Verkehrsökonom Dr. Benedikt Schmal in einer neuen Studie im Auftrag des Bundesverbands wirfahren nachgegangen. Dafür hat er die amtlich festgelegten Taxitarife deutscher Großstädte miteinander sowie mit zehn europäischen Hauptstädten und New York City verglichen.
Die Ergebnisse zeigen: Das deutsche Tarifniveau ist hoch – und zwar nicht nur im Vergleich der absoluten Fahrpreise.
Selbst günstige deutsche Städte sind international teuer
Grundlage des Vergleichs ist eine standardisierte Taxifahrt über fünf Kilometer. Die Preise wurden anhand der jeweils geltenden kommunalen Tarifordnungen und offiziellen Preisangaben berechnet.
Dabei zeigt sich ein deutliches Bild: Selbst die günstigsten untersuchten deutschen Großstädte liegen preislich über internationalen Hauptstädten wie Madrid, Rom, Dublin, Warschau oder Lissabon.
Doch ein reiner Preisvergleich greift zu kurz. Schließlich unterscheiden sich Einkommen und Lebenshaltungskosten zwischen den untersuchten Städten erheblich. Deshalb setzt die Studie die Taxipreise zusätzlich ins Verhältnis zur jeweiligen lokalen Wirtschaftskraft.
Berücksichtigt werden unter anderem das verfügbare Einkommen, ortsübliche Mietpreise, die Kosten eines ÖPNV-Tickets sowie im internationalen Vergleich das regionale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.
Auch hier zeigt sich ein ähnliches Bild: Gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist Taxifahren selbst in Hochpreisstädten wie New York oder Stockholm erschwinglicher als in den meisten untersuchten deutschen Großstädten.
Hohe Tarife treffen auch strukturschwächere Städte
Auffällig ist zudem, dass sich die Taxitarife innerhalb Deutschlands nur begrenzt an der regionalen Wirtschaftskraft orientieren.
Während hohe Preise in wirtschaftsstarken Metropolen zunächst wenig überraschen, liegen die Tarife in strukturschwächeren Städten häufig nur moderat darunter. Für die Menschen vor Ort bedeutet das eine entsprechend höhere relative Belastung.
Für Thomas Mohnke, Co-Vorsitzender des Bundesverbands wirfahren, zeigt die Studie deshalb auch ein grundsätzliches Problem der heutigen Preisregulierung:
„Die kommunal festgelegten Taxitarife kennen in den meisten Städten seit Jahren nur eine Richtung – nach oben. Leidtragende sind zuvorderst die Fahrgäste, denn sie müssen die Zeche für diese Entwicklung zahlen. Gleichzeitig können auch die Taxiunternehmen davon nicht nachhaltig profitieren. Was nützt mir als Unternehmer ein hoher Fahrpreis, wenn niemand mehr einsteigt?“
Mehr Flexibilität statt immer höherer Preise
Der Bundesverband wirfahren spricht sich deshalb für eine stärkere Flexibilisierung der Preisgestaltung im Taxiverkehr aus.
„Um von diesem Preisniveau wieder herunterzukommen, brauchen wir Flexibilität. Die Unternehmen sollten ihre Preise an Angebot und Nachfrage anpassen können, statt sie im Jahresrhythmus in kommunalen Runden aushandeln zu lassen. So steigt die Auslastung der Fahrzeuge, das Geschäft trägt sich besser – und die Effizienzgewinne kommen über niedrigere Fahrpreise bei den Kunden an“, so Mohnke.
Das Ziel ist ein wirtschaftlich tragfähiges Taxigewerbe, das für Fahrgäste gleichzeitig attraktiv und bezahlbar bleibt. Eine bessere Auslastung der Fahrzeuge kann dabei beiden Seiten zugutekommen.
