Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat sich in einem ausführlichen Beitrag (21. Juli 2026) mit der Krise des deutschen Taxigewerbes beschäftigt. Ihr Befund deckt sich mit dem, was der Bundesverband wirfahren seit Langem betont. Die Ursachen liegen nicht in erster Linie bei der Konkurrenz durch Plattformdienste, sondern bei den Kunden, die schlicht seltener befördert werden wollen.
Die Lage ist ernst, aber die Diagnose muss stimmen
Die Zahlen, die die FAZ zusammenträgt, sind deutlich. Taxizentralen in mehreren Großstädten mussten Insolvenz anmelden, in ländlichen Bundesländern hat ein erheblicher Teil der Taxibetreiber das Geschäft aufgegeben. Besonders aufschlussreich ist der Blick nach Hamburg. Dort können Plattformdienste wegen der strengen Regeln praktisch kein klassisches Mietwagengeschäft betreiben, und trotzdem ist die Zahl der Taxifahrten zwischen 2017 und 2024 massiv zurückgegangen. Wo es keine Plattform-Konkurrenz gibt, kann sie logischerweise auch nicht die Ursache sein.
Der Rückgang der Geschäftsreisen trifft das Taxi
Die FAZ benennt einen Faktor, auf den der Bundesverband wirfahren immer wieder hingewiesen hat, nämlich den strukturellen Rückgang der Dienstreisen. Seit der Pandemie ersetzen Videokonferenzen einen erheblichen Teil der Geschäftsreisen, der Geschäftsreiseverband zählt noch immer deutlich weniger Reisen als 2019. Und wer doch unterwegs ist, steigt seltener ins Taxi, weil Unternehmen bei den Reisekosten sparen.
Dazu kommen gesunkene Reallöhne, das Deutschlandticket und ein verändertes Freizeitverhalten. Wer seltener ins Restaurant, ins Konzert oder in die Kneipe geht, braucht auch keine Heimfahrt. Das ist keine Verdrängung durch neue Anbieter, sondern eine Nachfragekrise, die den gesamten Gelegenheitsverkehr betrifft. Auch die Plattformdienste, das räumt der Artikel ausdrücklich ein, haben ihre Umsätze zuletzt kaum noch gesteigert.
Digitale Buchbarkeit und transparente Preise sind keine Kür
Bemerkenswert ist, wie klar die FAZ die eigentlichen Hausaufgaben des Gewerbes benennt. Es sind genau die Punkte, die der Bundesverband wirfahren seit Jahren in die Debatte einbringt. Kundinnen und Kunden erwarten heute, per App buchen und mit Karte zahlen zu können. Und sie erwarten, vor Fahrtantritt zu wissen, was die Fahrt kostet. Der zitierte Mobilitätsforscher Andreas Knie bringt es auf den Punkt, indem er darauf hinweist, dass es kaum noch eine Dienstleistung gibt, deren Preis man erst am Ende erfährt.
Dass Hamburg seinen Taxis seit Anfang 2025 Festpreise erlaubt und die Fahrtenzahlen seitdem wieder leicht steigen, zeigt, dass diese Modernisierung funktioniert. Nicht die Regulierung der Konkurrenz hilft dem Taxi, sondern die Öffnung der eigenen Spielräume.
Mindestentgelte retten die Branche nicht
Umso kritischer sieht der Beitrag die aktuell in mehreren Städten verhängten Mindestbeförderungsentgelte für Mietwagenverkehre. Mobilitätsforscher Knie hält sie für ungeeignet, die Branche zu erhalten. Auch aus der Praxis kommt deutlicher Widerspruch. Thomas Mohnke, dessen Unternehmen gerade die Frankfurter Taxizentrale übernommen hat, plädiert statt neuer Preisvorgaben und Konzessionsobergrenzen für Deregulierung, und zwar auch zugunsten des Taxis selbst. Die Konsumenten hätten längst entschieden, und wer darauf mit Nostalgie statt mit besseren Angeboten reagiere, habe keine Zukunftsstrategie.
Der FAZ-Beitrag bestätigt die Position, die der Bundesverband wirfahren seit Langem vertritt: Wer dem Taxi helfen will, muss bei der Nachfrage und beim Angebot ansetzen, also bei digitaler Buchbarkeit, Kartenzahlung, transparenten Festpreisen und weniger bürokratischen Hürden. Mindestpreise für die Konkurrenz lösen keines dieser Probleme. Sie verteuern Mobilität für die Fahrgäste und zementieren Strukturen, die die Kundinnen und Kunden längst hinter sich gelassen haben. Die Debatte der kommenden Monate sollte sich daran messen lassen.
Der vollständige Artikel „Taxis in Deutschland haben ein Problem – und zwar ein existenzbedrohendes“ von Patrick Brune ist bei der FAZ (F+) erschienen.
