Wenige Themen polarisieren in der Personenbeförderung so zuverlässig wie digitale Vermittlungsapps. Umso bemerkenswerter war der Dialog, den Christoph Weigler, General Manager Deutschland bei Uber, am Nachmittag des Zukunftskongresses mit dem Publikum führte. Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen Mehrwert Plattformen für Unternehmen, Verbraucher und Kommunen bringen.
Ein holpriger Start und eine gelernte Lektion
Weigler begann dort, wo die Geschichte für viele im Saal angefangen hat, nämlich beim Markteintritt 2013. Der Start war holprig. Ein Geschäftsmodell, das in den USA funktionierte, ließ sich nicht eins zu eins auf einen Markt übertragen, der mit dem Personenbeförderungsgesetz ein eigenes, gewachsenes Ordnungsrecht kennt. Diese Lektion sei früh gelernt worden und sie prägt das Modell bis heute. Vermittelt wird ausschließlich an lokale, lizenzierte Mietwagen- und Taxiunternehmen, die die Beförderungsleistung erbringen.
Heute stellt sich die Lage anders dar. Uber ist in 14 der 16 Bundesländer und mehr als 50 Städten verfügbar. Aus dem Herausforderer ist ein etablierter Partner geworden.
Mehrwert auf drei Ebenen
Für die Unternehmen der Branche bedeutet die Vermittlung zusätzliche Aufträge und planbare Auslastung, und zwar für neu gegründete ebenso wie für etablierte Mietwagenbetriebe. Dass dies längst nicht mehr nur das Mietwagensegment betrifft, betonte Weigler ausdrücklich. Auch mit dem klassischen Taxi gebe es inzwischen funktionierende Kooperationen. Über die Option Uber Taxi wird zum örtlichen Taxitarif abgerechnet und trotzdem erschließt sich zusätzliche Nachfrage.
Verbraucher wiederum profitieren von Transparenz vor Fahrtantritt und einer breiten Auswahl an Servicekategorien. Wer vorab weiß, was eine Fahrt kostet und wer sie durchführt, entscheidet informierter.
Bei den Kommunen wurde Weigler besonders konkret. Eine Plattform biete Städten einen zentralen Ansprechpartner statt einer unübersichtlichen Zahl von Einzelunternehmen. Und sie könne in schwierigen Märkten beim Datenabgleich unterstützen, um schwarzen Schafen das Handwerk zu legen. Ein Punkt, der im Saal sichtbar Resonanz fand, denn die Durchsetzung bestehender Regeln ist ein Dauerthema der Branche.
Drei Beispiele aus der Praxis
Dass Plattformen über das reine Vermittlungsgeschäft hinaus Verantwortung übernehmen können, illustrierte Weigler an drei Projekten. In enger Abstimmung mit Kommunen wie Bernau bei Berlin werden Fahrten von Bahnstationen zum Festpreis angeboten, als Brücke zwischen Haltestelle und Haustür und als Ergänzung des ÖPNV im Umland. In Gelsenkirchen und Düsseldorf unterstützt Uber Initiativen für sichere nächtliche Heimwege, in Düsseldorf etwa können Frauen und non-binäre Personen vergünstigte Nachtfahrten in Anspruch nehmen. Und die kuratierten Tagesausflüge des Weintaxis von Frankfurt in den Rheingau zeigen, wie digitale Vermittlung touristische Nachfrage in die Region lenken und regionale Betriebe stärken kann.
Der Dialog mit Christoph machte deutlich, dass sich die Debatte um Vermittlungsapps stark entwickelt hat – weg von der Grundsatzfrage und hin zu konkreten Fragen der Ausgestaltung.
